2020 – ein turbulentes Jahr bis jetzt ( Teil 2: Lernen und Abiturprüfungen im Lockdown – mentales Down)

Hallo meine Lieben,

Heute kommt also der zweite Teil meines Berichts über 2020. Darüber zu schreiben war nicht einfach, da immer wieder Emotionen hochkochen. Letztendlich tut es aber auch gut die Dinge nieder zu schreiben, um endgültig damit abschließen zu können.

Nachdem ich im März also spontan meinen letzten Schultag hatte und Hals über Kopf aus Berlin zu meiner Familie nach Kiel fuhr, begann auch schon der Lockdown. Was soll ich sagen – wir alle haben ihn schließlich erlebt. Ich habe das Glück, dass wir in einem Haus mit einem großen Garten sehr naturnah wohnen. So konnte ich täglich Spaziergänge mit meiner Mutter machen, draußen Laufen gehen und in meinem Zimmer Home-Workouts machen. Dennoch war für mich die ganze Situation wie wahrscheinlich für alle eine große seelische bzw. mentale Belastung.

Meine größte Sorge war natürlich das bevorstehende Abitur. Wir wussten zwar bis Anfang April noch nicht mal gesichert, ob die Prüfungen stattfinden würden, dennoch bereitete ich mich von dem ersten Tag an so vor, als würden sie stattfinden. Ich hatte die ganze Zeit Angst irgendwas beim Lernen zu vergessen oder falsch verstanden zu haben, gleichzeitig viel es mir oft schwer trotz der ganzen Situation mich stets auf den Lernstoff zu fokussieren.

Meine schriftlichen Fächer forderten besonders viel Vorbereitung – Bio Lk, Tanz-Geschichte Lk sowie Mathe Gk sind eben alles Lernfächer. So verbrachte ich ca. 1 1/2 Monate damit 5-6 Stunden am Tag zu lernen. In dieser Zeit lebte ich wie in einem Tunnel und meine Woche bestand wirklich nur aus Lernen, Sport als Ausgleich, Essen und Schlafen. Wie es mir dabei ging? Nicht wirklich gut, aber ich hatte ein Ziel, für das ich kämpfen wollte. Rückblickend habe ich mich wahrscheinlich viel zu sehr mit dem Lernen gestresst, aber es war wohl mein Weg mit der Situation umzugehen.

Mein Lernordner

Anfang April war es dann gewiss, die Prüfungen würden stattfinden. Das Wochenende vor meiner ersten Prüfung fuhren meine Mutter und ich nach Berlin und richteten uns ein. Am 22. April schrieb ich dann mit einer weiteren Schülerin Bio-Lk ( wir waren nur 2 im Kurs) unter starken Hygiene-Maßnahmen. Trotz der besonderen Situation hatte ich wirklich kein schlechtes Gefühl bei der Klausur. Genau genommen, hatte ich bisher das beste Gefühl, das ich je hatte in einer Bio-Klausur bei dieser Lehrerin. Ihr müsst nämlich wissen, dass ich immer eine sehr gute Schülerin in Bio war, bis ich bei dieser Lehrerin Unterricht hatte. Ich und alle meine Mitschüler wissen bis heute nicht, was sie gegen mich hat bzw. hatte.

Gestärkt nach diesem „guten Start“ lernte ich fleißig weiter und arbeite mich Stück für Stück durch die mündlichen und schriftlichen Prüfungen. Die meisten Prüfungen liefen dabei wirklich nicht schlecht. Die einzige Prüfung, wo ich direkt ein schlechtes Gefühl hatte, war leider Mathe. Ich war danach auch dementsprechend geknickt, weil ich sonst immer ein Mathe-Aß gewesen war. Aber naja, jeder hat mal ein schlechten Tag, dachte ich und erwartete nicht so viel.

Die Maske, die ich von der Schule für die Prüfungen bekam

Unter besonderen hygienischen Vorkehrungen durften wir währenddessen auch wieder für unsere praktische Tanz-Prüfung üben. Diese war Ende Mai nicht nur meine letzte Prüfung, sondern wird mir auch in wirklich positiver Erinnerung bleiben. Zuerst zeigten wir gemeinsam einen Ballett-Unterricht und dann performte ich meine eigene Choreografie.

So, damit wäre das Abitur also geschafft! Tja, das dachte ich…

Jetzt hieß es erstmal abwarten, bis wir unsere Prüfungsergebnisse bekamen. Als der Tag gekommen war, war ich zwar mega aufgeregt, aber auch relativ positiv gestimmt. Als ich dann das Blatt mit meinen Noten bekam, brach über mir eine Welt zusammen. Ich werde hier keine Noten nennen, aber es war so überhaupt nicht das, was ich mir erhofft, erwartet oder vorgenommen hatte. Sowohl mit meiner Tanznote als auch meinen mündlichen Prüfungen war ich zufrieden, mit der Mathenote hatte ich gerechnet, aber die Note in Bio LK konnte ich einfach nicht verstehen. Ich hatte das Gefühl, dass all die Stunden, die ich vor dem Schreibtisch verbracht hatte, die 40 Seiten Lernzettel, die ich alle auswendig konnte und jede schlaflose Nacht, die ich wegen dieser Prüfung hatte, für nichts waren. Die Lehrerin, die mir, die gesamte Oberstufe über, Bio ( mein Lieblingsfach neben Sport) zur Hölle gemacht hatte, hatte mir wie immer die gleiche Note gegeben. Versteht mich nicht falsch, dies ist keine „schlechte“ Note, aber eben nicht das, was ich mir vorgenommen hatte und was ich meiner Meinung nach verdient hätte. Ich hatte mich zudem die gesamte Oberstufe darauf gefreut, wenigstens beim Abitur eine Zweitkorrektur zu bekommen, aber wegen Corona hatte diese Lehrerin wieder alles in der Hand.

Zu meinem Abitur-Schnitt kann ich nur sagen, dass ich mit vielem gerechnet habe, vor allem damit, dass ich nicht den NC von 1,0 erreichen würde, aber ich war sowas von überrumpelt im negativen Sinne. Ich hatte fast die gesamte Oberstufe über nur sehr gute Leistungen, aber mein Leistungskurs, der, wie ich erfuhr, jedes Mal 4x zählte, hatte mich so stark runtergezogen. Ich weiß, jeder normale Mensch würde sich über einen mittleren Einser-Schnitt freuen, aber es ist einfach nicht das, was ich mir nach dieser Vorbereitung und mit meinem Studienwunsch vorgenommen hatte.

Ich, ein Tag vor meiner praktischen Tanzprüfung

Wie ging es also weiter? Ich konnte einfach noch nicht aufgeben und entschied mich trotz seelischer Belastung für Nachprüfungen in Mathe und Bio. Ich sage euch, das waren die schlimmsten Tage des Jahres und meines bisherigen Lebens. Nicht nur das erneute Lernen, sondern auch die Prüfungen mit Lehrern, die null kooperieren oder in irgendeiner Form sozial handeln, waren so schlimm für mich nach der Zeit, die bereits hinter mir lagen. Ich gehe hier jetzt nicht weiter ins Detail, aber ich kann euch sagen, dass mir erstens die Nachprüfungen keine Verbesserungen gebracht haben und ich zweitens mit den beteiligten Personen menschlich abgeschlossen habe. Ich kann bis jetzt nicht verstehen, warum man eigene Komplexe o.ä. auf andere Personen projizieren muss. Nun denke ich mir, mit solchen Personen wird jeder im Leben Mal konfrontiert, leider war es bei mir nur ein sehr ungünstiger, für meine Zukunft entscheidender Moment.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich endgültig meinen mentalen Tiefpunkt im Jahre 2020 erreicht. Aber ich habe es geschafft, das wieder zu ändern. Wie? Das erfahrt ihr im nächsten Post, den ich am Sonntag veröffentliche.

Alles Liebe!

Eure Anna-Lena